Aus dem Blog

Die Ohren werden Augen machen

Ich merke gerade, wie sehr ich meinen Blog vernachlässigt habe. Schuld ist mal wieder die liebe Zeit… Doch endlich möchte ich mal wieder einen Beitrag erstellen. Für die Zeitung war ich bei einer ganz besonderen Darbietung, das Musik und Pantomime vereinte. Ich füge einfach mal den Artikel dazu in gekürzter Form ein. Ein Event der ganz besonderen Art. Vor Ort war ich mit der Nikon D750 und dem Tamron SP 70-200mm f/2.8 Di VC USD G2. Nicht leicht zu fotografieren, wenn so wenig Licht geboten ist. Aber toll war’s!

Lieder und Geschichten zum Lauschen und Schauen

Und die Ohren werden Augen machen! Was steckt hinter diesem Titel? Was erwartet den Zuschauer? Sehende Ohren? Diese oder andere Gedanken dürften manch einem Besucher der ersten gemeinsamen Vorstellung der beiden Künstler Jürgen Werth und Carlos Martínez mit genau diesem Titel durch den Kopf gegangen sein. Allein der Titel versprach keine alltägliche Darbietung, eher etwas Tiefsinniges, etwas Berührendes, etwas unter die Haut Gehendes. Die Besonderheit dieses Ereignisses: Der Journalist und Songwriter Jürgen Werth sowie der spanische Ausnahme-Pantomime Carlos Martínez standen erstmals gemeinsam auf der Bühne.

Bereits seit Jahrzehnten sind beide Künstler erfolgreich solo unterwegs, dabei stets – im wahrsten Sinne des Wortes – den Blick auf Gott und die Welt gerichtet. Zunächst agierte jeder Künstler eher für sich, während des zweiten Teils der Show durfte schließlich alles zu einem großen Ganzen zusammenwachsen.

So kam es, dass Jürgen Werth vorerst alleine die Zuschauer mit seinem ersten Lied „Ein kleiner Urlaub“ auf den Abend einstimmte. Doch nicht die teure Urlaubsreise in ferne Länder thematisierte er in diesem Song. Vielmehr ging es um Urlaub für die Seele von all den Alltagsdingen, die so vielfältig, schnelllebig und fordernd sind. Da fällt es manchem oft schwer, hinterherzukommen und dabei noch das Gesicht zu bewahren. Zu gerne schlüpft man dann in andere Rollen, setzt eine Fassade nach der anderen auf, um weiterhin zu funktionieren und anderen zu gefallen, bis man sich selbst kaum noch im Spiegel wiedererkennt. Sehr eindrücklich demonstrierte dies im Folgenden Carlos Martínez in pantomimischer Perfektion.

Schon jetzt dürfte dem Publikum deutlich geworden sein, welch außergewöhnlicher Abend sie erleben würden und was es mit dem Titel der Produktion auf sich haben dürfte. Gerade in der heutigen Zeit ist es umso wichtiger, bei sich zu bleiben, authentisch zu sein, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und in ein anderes Licht zu rücken. Unter diesem Aspekt werden den Zeilen „Die Augen machen Ohren, die Ohren machen Augen“ große Sinnhaftigkeit eingehaucht. Auch die folgenden Songs „Hanna malt“, „Gott muss bauen“ und „Vater, gib mir Geduld“ umkreisten Aspekte des eigenen Ichs, die persönliche Originalität, den persönlichen Genius – sehr philosophisch und zum Nachdenken anregend, dennoch mit einer guten Portion Humor. Wir alle sollten wieder viel mehr „zu Maurern unseres Lebens, zu Malern unserer Träume werden“, wie Werth betonte.

Die folgende Ablösung Jürgen Werths durch den vielfach preisgekrönten Carlos Martínez verlief nahtlos. Natürlich still, dafür aber mit voller Bühnenpräsenz, führte der Pantomime den bereits begonnen Kurs fort. Seine vor der Pause präsentierten und sehr alltagsnahen Stücke zeichneten sich durch einen äußerst feinen Humor und größte Präzision aus. Für viele Zuschauer bestens nachvollziehbar, dürfte wohl in dem Stück „Die Pralinenschachtel“ der verzückende Pralinenschmaus gewesen sein. Ein Hochgenuss, mal abgesehen von den „Ausreißern“, die man dezent nach dem ersten Beschnüffeln wieder in die Schachtel zurücklegt, am Ende aber doch nicht mit dem Publikum teilen möchte. Schnell eroberte Martínez durch seine einzigartige Darstellung die Herzen des Publikums, was sich schließlich nach der Pause fortsetzte. Im zweiten Teil vereinten sich die beiden Künstler zunehmend. Der feine Humor sowie der Bezug zu unserer Lebenswelt blieben dabei stets erhalten. Und selbst ernste Aspekte, nämlich, dass uns die aktuellen globalen Geschehnisse alle etwas angehen, kamen ohne erhobenen Zeigefinger beim Publikum an. Kein Wunder, dass Werth und Martínez am Ende gefeiert wurden! Professionell meisterten sie die wohl größte Herausforderung dieses gemeinsamen Projekts: eine virtuose Verschmelzung zweier Künstlergenies, bei der dennoch jeder für sich glänzte und das Werk des anderen ergänzte.

(Profile Productions)

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